Die FLÜWO strebt ausdrücklich eine starke emotionale Bindung aller Anspruchsgruppen an das Unternehmen an. Warum ist das so wichtig?
Nina Weigl: Erstens möchten wir mehr sein als einfach nur ein Vermieter. Das liegt auch an unserem Verständnis als Genossenschaft. Zweitens müssen wir damit rechnen, dass sich die Lage auf dem Wohnungsmarkt ändern kann. Wenn die Nachfrage einmal zurückgeht, wollen wir gerüstet sein. Dann ist die Mitgliederbindung von entscheidender Bedeutung.
Die Weiterentwicklung Ihrer Strategie besagt, dass die FLÜWO ihre Perspektive erweitern möchte: von der Wohnung auf das Quartier. Passiert das nicht schon längst?
Rainer Böttcher: Ja. Die aktive Quartiersarbeit gehört selbstverständlich zu unseren Tätigkeiten. Die Bedürfnisse fragen wir zum Beispiel mit dem FLÜWO-MOBIL ab, direkt bei den Menschen vor Ort. Wir sind Mitglied im Verein „Integrative Wohnformen“. Diesem stellen wir Räume für WohnCafés in unseren Quartieren zur Verfügung. Außerdem unterstützen wir mit der FLÜWO Stiftung die Stärkung der Quartiere.
Neu wird sein, dass wir die Quartiersentwicklung noch stärker am Lebenszyklusmodell ausrichten. Wenn wir an einem Standort zum Beispiel Wohnungen für Familien realisieren, dann muss auch das Umfeld der Wohnanlage zu dieser Lebensphase passen. Dazu tragen wir unseren Teil bei.
Geplant sind noch mehr Leistungen, die über das reine Wohnen hinausgehen. Was könnte das zum Beispiel sein?
Nina Weigl: Wir haben in einem Mitarbeitenden-Workshop 400 Ideen für solche Leistungen erarbeitet. Bei etwa 80 davon überprüfen wir jetzt die Machbarkeit. Dazu gehören Angebote zur Innenausstattung, zum Küchenleasing oder die Unterstützung bei Nachlassangelegenheiten. Bei dieser Leistung wären wir sogar über die Lebensphasen hinaus Ansprechpartner für die Angehörigen.
Die weiterentwickelte Strategie der FLÜWO sieht ein Wachstum auf 16.000 Wohnungen vor – eine Mammutaufgabe.
Rainer Böttcher: Es ist eine große Herausforderung, die fast alle Unternehmensebenen betrifft. Aber wir haben ein klares Bild von der Entwicklung der FLÜWO, woraus sich die notwendigen Schritte ergeben. Diese gehen wir sehr überlegt in Projekten oder durch die Anpassung unserer Organisation an – zum Beispiel mit dem Aufbau der Bereiche „Unternehmensentwicklung“ und „Projektentwicklung“, einer noch engeren Zusammenarbeit mit den Kommunen, einem intensivierten Marketing und der Überprüfung alternativer Finanzierungsquellen.
Gleichzeitig plant das Unternehmen seinen eigenen Umzug.
Nina Weigl: Genau. Wir ziehen 2022 mit der Unternehmenszentrale um. Hierbei ist uns wichtig, dass die neuen Räume die Art von Zusammenarbeit und Weiterbildung ermöglichen, die wir uns für die Zukunft vorstellen. Wir möchten den richtigen Rahmen dafür schaffen, dass wir agil und projektbezogen gut zusammenarbeiten können. Schließlich muss auch unser Angebot als Arbeitgeber flexibel zur jeweiligen Lebenssituation der Mitarbeitenden passen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen und gern bei der FLÜWO arbeiten. Die daraus gewonnene Energie benötigen wir, um unsere Mieterinnen und Mieter in allen Lebensphasen bestmöglich zu unterstützen. Darauf kommt es an.